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Eckpunkte zur Bewerbung der Versorger-Allianz 450 um die 450 MHz-Frequenzen

Die Versorger-Allianz 450 ist ein Zusammenschluss von bereits mehr als 60 Unternehmen der Energie- und Wasserversorgung, die kritische Infrastrukturen betreiben. Die Versorger-Allianz 450 plant als maßgeblicher Bedarfsträger, eine einheitliche flächendeckende LTE-Kommunikationsinfrastruktur auf 450 MHz-Basis aufzubauen. Diese ist erforderlich, um den durch die Energiewende induzierten dramatisch steigenden kommunikationstechnischen Anforderungen der Energieversorgungssysteme Rechnung zu tragen und die sehr hohe Versorgungssicherheit in Deutschland auch künftig zu gewährleisten. Die Versorger-Allianz 450 ersucht daher die politischen Entscheidungsträger und die Bundesnetzagentur, die zum 1. Januar 2021 freiwerdenden Frequenzen im Bereich 451,00 bis 455,74 MHz und 461,00 bis 465,74 MHz der Versorgungswirtschaft zuzuweisen bzw. der Versorger-Allianz 450 zuzuteilen.

Schwarzfallsichere Kommunikation in der Energie- und Wasserversorgung ist unabdingbar für das Funktionieren von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft

Die Versorgungswirtschaft braucht für die Überwachung und Steuerung der Netze und Anlagen eine hochverfügbare und auch bei Stromausfällen zur Verfügung stehende Kommunikationslösung, um Markt- und Systemrisiken sicher zu beherrschen und die Versorgung im Störungsfall schnellstmöglich wieder herstellen zu können. Insbesondere die Energiewende ist ohne eine leistungsfähige und ausfallsichere Kommunikationsinfrastruktur nicht umsetzbar.

Die Stromnetze unterliegen aufgrund steigender Einspeise-Volatilität und schlechter werdender Prognosefähigkeit immer höheren Belastungen. Zudem steigt die Dezentralität mit vielen heute nicht steuerbaren Anlagen im Eigentum der Bürger. Dieser wird als Prosumer gleichzeitig zum aktiven Teilnehmer am Energiemarkt und trägt so zusätzlich zur Steigerung der Komplexität der Systeme bei. Die neuen Anforderungen aus der Elektromobilität und der Sektorkopplung (Power-to-Gas, etc.) generieren neue Herausforderungen an Smart Grids mit weiter steigenden Kommunikations- und Steuerungsanforderungen. Bislang existiert in Deutschland für diese Zwecke keine leistungsfähige Kommunikationsinfrastruktur, die diese Anforderungen erfüllen kann, dies gilt insbesondere hinsichtlich der technischen und räumlichen Verfügbarkeit.

Gleichzeitig sind in den letzten Jahren die Risiken von Cyber-Angriffen in der Versorgungswirtschaft weiter gestiegen. Durch die weiter steigende Anzahl an Schnittstellen in den Versorgungsnetzen (u.a. dezentrale Erzeugungsanlagen, Speichersysteme, steuerbare Lasten) entstehen viele neue potentielle Angriffspunkte. Zwar wurden im IT-Sicherheitsgesetz (IT-Sicherheitskatalog) besondere Anforderungen an Betreiber kritischer Infrastrukturen in der Versorgungswirtschaft festgelegt (z. B. ISMS-Zertifizierung). Zusätzlichen Lösungsoptionen, um Risiken zu mitigieren, wurden der Versorgungswirtschaft aber bislang nicht eingeräumt. Dabei ist das Risiko eines großflächigen Stromausfalls heute so hoch wie nie – und wächst weiter an.

Was aber Versorgungsausfälle im Strom- und Trinkwasserbereich, mithin wichtiger Bestandteil der Daseinsvorsorge, für unsere Gesellschaft bedeuten, darauf weisen die Bundesämter für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) und für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) immer wieder hin. „Unsere moderne Gesellschaft ist heute mehr als jemals zuvor von technischen Systemen abhängig. Ohne Strom wäre eine industrielle Produktion nicht mehr denkbar, ohne die stetige Versorgung mit Trinkwasser das Leben kaum vorstellbar […].1 Die Energieversorgung ist ein zentraler Bereich Kritischer Infrastrukturen, der sich im Fall von Ausfällen oder Störungen extrem und unmittelbar auch auf die anderen Sektoren und somit auf Staat, Wirtschaft und Gesellschaft auswirkt.“2 Darunter subsumiert sind auch die BOS, die in den allermeisten Fällen für ihre Arbeit auf eine funktionierende Strom- und Wasserversorgung zwingend angewiesen sind.

Eine Funknetzinfrastruktur im 450 MHz-Band würde einen elementaren Baustein zur Sicherstellung der Informationssicherheit, zur Netzstabilität und zur Aufrechterhaltung des hohen Niveaus der Versorgungssicherheit darstellen

Eine schwarzfallsichere Kommunikationsinfrastruktur auf dieser Frequenz kann große Gebiete bei vergleichsweise geringer Anzahl an Sendemasten abdecken, mithin wäre eine Notstromversorgung dieser Masten vergleichsweise günstig realisierbar. Weiter ermöglicht das 450 MHz-Band aufgrund seiner niedrigen Frequenzlage eine bessere Durchdringung von Gebäudehüllen als bspw. der öffentliche Mobilfunk, so dass dezentrale Erzeugungsanlagen, steuerbare Lasten und Speichersysteme bei den Bürgern oder aber die Anlagen in den Netzen (beispielsweise bislang nur schwer anbindbare Wasserbehälter, Ortsnetzstationen, Gasdruckregelanlagen, etc.) leichter erreichbar wären. Das Frequenzband ist LTE-fähig, so dass die Netze zukunftsfähig ausgebaut und die erforderlichen Datenraten realisiert werden können (bis ca. 25 Mbit/s).3

Der bisherige Netzausbau mit CDMA-Technik ist für die Steuerung der kritischen Netzinfrastruktur unzureichend. Die Versorger-Allianz plant daher, ein bundesweit flächendeckendes 450 MHz-Netz auf LTE-Basis aufzubauen.

Die Versorger-Allianz 450 ist dabei, einen Lizenznehmer für die Energie- und Wasserversorger aufzubauen

Die Versorger-Allianz 450 strebt eine Operationalisierung des BDEW-Betreibermodells 450 MHz (aus 2015) an. Sie wird dazu eine juristische Person mit „genossenschaftlichem Ansatz“ für die Energie- und Wasserversorger aufbauen, die als Lizenznehmer agiert, den flächendeckenden Netzaufbau finanziert und steuert, sowie KRITIS-relevante Produkte definiert und anbietet. Diese Gesellschaft wird zudem zentraler und direkter Ansprechpartner der BNetzA; eine Vorläuferinstitution ist in Vorbereitung.

Schon heute gehören zur Bewerbergruppe mehr als 60 private und kommunale Betreiber kritischer Infrastrukturen (versorgen mehr als 14 Mio. Einwohner mit Strom, Gas und Wasser), die über die erforderliche Leistungsfähigkeit und Fachkunde für den Aufbau und Betrieb eines 450 MHz-Netzes verfügen bzw. in der Lage sind, diese aufzubauen. Zudem haben bereits weitere Versorger deutliches Interesse an einer Mitarbeit bekundet. Der Beitritt zur Versorger-Allianz 450 wird Betreibern kritischer Infrastrukturen in der Energie- und Wasserwirtschaft diskriminierungsfrei offenstehen.