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Versorger-Allianz 450 als Gesellschaft gegründet

IT. In Frankfurt wurde die Versorger-Allianz 450 als GmbH & Co.KG ins Leben gerufen. Sie will sich gemeinsam mit Alliander und Eon um eine Lizenz für die 450-MHz-Frequenz bewerben.

Gründungsgesellschafter des neuen Unternehmens, das seinen Sitz in Bonn hat, sind die Netze BW, die Oberhessischen Versorgungsbetriebe (OVAG), die MVV Netze aus Mannheim und die SWO Netz GmbH aus Osnabrück. Dieser Kreis soll kontinuierlich erweitert werden.

Aktuell sei eine Vielzahl von Beitritten in Vorbereitung. Entsprechende Aufsichtsratsbeschlüsse und Zustimmungen von Kommunalaufsichten werden gerade eingeholt. Als assoziiertes Mitglied gehöre auch der Städte- und Gemeindebund Rheinland-Pfalz zum Gesellschafterkreis, heißt es in einer Mitteilung der Versorger-Allianz. Zu deren Geschäftsführer wurde Theo Waerder, Geschäftsführer der Bonn-Netz GmbH, bestellt. Auf seine Initiative geht auch die Gründung des Vereins zurück, aus dem nun die GmbH & Co.KG hervorgegangen ist.

Rund 200 Unternehmen hat Waerder als Unterstützer der Versorger-Allianz 450 e.V. gewinnen können. Mehrheitlich sind es kommunale Energie- und Wasserversorger. Aber auch DB Energie, der Gas-Fernleitungsnetzbetreiber Ontras und der Flughafenbetreiber Fraport machen sich öffentlich für die Ziele der Versorger-Allianz stark.

Die 450-MHz-Frequenz ist aus Sicht der Versorger-Allianz die Grundlage für eine effiziente Datenübertragung in intelligenten Netzen und eine schwarzfallfeste Kommunikationslösung für die Betreiber kritischer Infrastrukturen. Eine Reihe von Studien, unter anderem das Digitalisierungsbarometer des Bundeswirtschaftsministeriums, teilt diese Auffassung und hat sich für eine Zuweisung der Frequenz an die Versorgungswirtschaft ausgesprochen.

Politische Entscheidung über Zuweisung der Frequenz steht immer noch aus

Derzeit ist allerdings noch nicht klar, ob die Zuweisung an die Branche tatsächlich erfolgen wird. Denn noch erheben auch die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) Anspruch auf ein 450-MHz-Netz, obwohl ihnen bereits andere Frequenzen für eine sichere Kommunikation zur Verfügung stehen. Der daraus resultierende politische Streit zwischen Bundeswirtschafts- und Bundesinnenministerium dauert seit mehr als zwei Jahren an. Allerdings laufen die Lizenzen für die aktuelle Frequenzzuteilung am 31. Dezember 2020 aus.

Die Bundesnetzagentur hat bereits mit den Vorbereitungen für ein Zuteilungsverfahren begonnen. Ihre Aktivitäten stünden jedoch unter dem Vorbehalt der noch ausstehenden politischen Entscheidung über die Zuweisung der Frequenz, ist aus der Behörde immer wieder zu hören. Ihr Beirat unter dem Vorsitz des niedersächsischen Umweltministers Olaf Lies (SPD) hat sich inzwischen allerdings mehrfach deutlich für eine Zuweisung an die Energiewirtschaft ausgesprochen.

Einer der aktuellen Lizenzinhaber ist die deutsche Tochtergesellschaft des niederländischen Netzbetreibers Alliander. Unter dem Namen 450 Connect baut sie gemeinsam mit neun regionalen Energieversorgern als Ankerkunden, darunter die Thüringer Energienetze, die Wemag und die Düsseldorfer Netzgesellschaft, ein 450-MHz-Netz auf.

Für die Zeit ab dem 1. Januar 2021 wollen die Alliander Deutschland AG, ein Konsortium ihrer Ankerkunden, ein Konsortium der Eon-Netzgesellschaften und die neu gegründete Versorger-Allianz GmbH & Co.KG im Rahmen eines Gemeinschaftsunternehmens um eine Zuteilung der Frequenz bewerben. Das Joint Venture, an dem die Partner jeweils 25 % halten werden, soll unter dem Namen 450 Connect GmbH an den Start gehen.

Der weiterbestehende Verein der Versorger-Allianz soll künftig eine beratende Rolle einnehmen und die Interessen der vielen vor allem kleineren Netzbetreiber bündeln, die auch als Nutzer der 450-MHz-Frequenz in Frage kommen.

Quelle: Fritz Wilhelm / E&M Daily vom 13. Oktober 2020